Start Unsere Sprache - Bairisch - zur Entwicklung unserer Sprache Werden unsere Enkel noch Bairisch reden - was ist zu tun?
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Wenn unsere Kultur auseinanderfällt und unsere Sprache allmählich verschwindet, ist die bairische Eigenart und das Besondere dahin, das unsere Heimat auszeichnet. Unsere Region wird damit gesichtslos und beliebig austauschbar. Dann ist sie eine von vielen und ihre Attraktivität für Einheimische und Besucher geht verloren.

 

Es reden immer weniger Menschen unsere angestammte Bairische Sprache. Ein Teil der 30 – 50-jährigen in unserer Gegend spricht noch Bairisch, deren Kinder verstehen es noch, sprechen es aber nicht mehr und in der darauffolgenden Generation ist Bairisch ganz verschwunden. So könnte es im schlimmsten Fall kommen. Wir haben uns mit der Frage befaßt, wie wir Bairisch als Umgangssprache erhalten können und einen Maßnahmenkatalog zusammengestellt.

Wir fassen die Gedanken nach folgenden Schwerpunkten zusammen:

-          Was kann jeder Einzelne beitragen?

-          Beitrag der Gemeinschaft:

  1. oPolitik
  2. oSchulen
  3. oMedien.


Beitrag des Einzelnen:
Wer spricht noch bairisch?? Kinder im Pallinger Kindergarten - Foto: Christine WaldherrViele Begriffe unserer Sprache gehen verloren, weil sie der einzelne Sprecher nicht mehr verwendet. Sie verschwinden aus dem Sprachgebrauch und allmählich auch aus dem Wortschatz und Gedächtnis des Einzelnen. Diese Wörter sind nicht altmodisch oder unzeitgemäß und können durchaus noch verwendet werden. So hören wir z. B. das Wort Stiege oder Stiegenhaus nicht mehr, es wurde allmählich durch die Treppe und das Treppenhaus ersetzt. Nehmen wir in Wort und Schrift doch einfach unsere Süddeutschen Wörter her, das ist der erste und beste Schritt gegen das Vergessen. Wer entsprechende Anregungen haben will, muss nur mal unser Nachbarland Salzburg besuchen. Bei jeder Gelegenheit findet er Wörter und Begriffe, die früher bei uns gang und gäbe waren.

Der Dialektanteil im Alltag ist aus vielerlei Gründen dramatisch zurückgegangen. Ein Grund ist einfach der, daß wir uns an die vermeintlich richtigere Sprache nur zu gerne anlehnen und diese unkritisch übernehmen. Viele reden oft Schriftdeutsch, oder was sie dafür halten, obwohl das Bairische genau so gut passt und verständlich ist. Um den Dialektanteil im Alltag zu erhöhen, sollte bei jeder passenden Gelegenheit Boarisch gesprochen werden.

Im Umgang mit Kindern sollte neben der Schriftsprache auch der bairische Wortschatz vermittelt werden z.B. Bedeutung von bairischen Begriffen und gleichzeitige Gegenüberstellung des schriftdeutschen Wortes. Wir haben mit unseren Kindern da sehr gute Erfahrungen gemacht. Dies hat sich auch in den Noten gezeigt. Das zuständige Staatsministerium hat jetzt auch bestätigt, dass zweisprachig erzogene Kinder - Mundart und Schriftsprache - Vorteile in der Entwicklung haben. Diese Tatsache sollte bei jeder Gelegenheit hervorgehoben werden. 

Beitrag der Gemeinschaft

Der Bremer Linguisten Prof. Dr. Thomas Stolz sagt über das Verschwinden von Sprachen Folgendes: „Nicht weil Sprechergruppen verschwinden, sondern weil sich Gemeinschaften gegen sie entscheiden, verschwinden Sprachen!“ Hier ist neben anderen gesellschaftlichen Kräften in erster Linie die Politik gefordert. Schon die Bayerische Verfassung erklärt unser Land zum Kulturstaat (Art. 3) und fordert vom Staat den Schutz der kulturellen Überlieferung. 

-          Politik

2003 ist die UNESCO-Konvention zum Schutz des immateriellen Kulturerbes veröffentlicht worden. Diese ist von über 100 Staaten ratifiziert worden, nur nicht von der Bundesrepublik Deutschland. Eine Reaktion der bayerischen Staatsregierung in Bezug auf die UNESCO Konvention ist ebenfalls nicht erkennbar. Über einen Antrag der Freien Wähler aus dem Jahr 2009 hier tätig zu werden, ist bis heute noch nicht entschieden.

2009 ist die bairische Mundart durch die UNESCO als gefährdete Sprache eingestuft worden. Es ist die Sprache, die essentielle Bereiche der regionalen Kultur, wie Lieder, Tanz, Musik, Handwerk, Landschaft und Natur verbindet und zusammenhält. In ihren Wortprägungen spiegeln sich Geschichte, Wissen und Erfahrungen wider. Vieles davon geht verloren, wenn die Sprache verschwindet.

Wir fordern in diesem Zusammenhang die Gleichstellung der kulturstaatlichen Ziele mit den sozialstaatlichen Ansätzen und damit gleichbedeutend eine dementsprechende Unterstützung und Förderung.

Dazu gehören insbesondere

  • ein eindeutiges Bekenntnis unserer Staatsregierung und Abgeordneten zur Unterstützung und vor allem zur Förderung unserer Kultur – auch unserer Muttersprache sowie
  • eine umgehende Ratifizierung der UNESCO-Konvention zum Schutz des immateriellen Kulturerbes und deren Umsetzung.

-          Schulen

Wir fordern die explizierte Aufnahme der Dialektförderung in die Lehrpläne der Fachakademien für Sozialpädagogik und der Berufsfachschulen für Kinderpflege, und zwar in konkreter Formulierung und nicht als verbale Alibidarstellung.

Für die Gymnasien fordern wir in allen Jahrgangsstufen die verpflichtende Behandlung von Mundart im Unterricht, nicht nur in der 8. und 12. Klasse,ähnlich wie in den Realschulen, wo diese in allen Klassen vorgesehen ist.

-          Medien

Den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehanstalten kommt in Bezug auf Pflege unseres Kulturguts eine ganz große Bedeutung zu. Wir fordern, dass der Rundfunkrat, der die Programmrichtlinien festlegt, seinen Aufgaben gerecht wird: Die Sendungen müssen kulturelles Verantwortungsbewusstsein widerspiegeln und der Eigenart Bayerns gerecht werden. Gleiches erwarten wir auch vom Medienrat.

Die Bedeutung von Hörfunk und Fernsehen möchte ich an folgendem Beispiel deutlich machen:
In Rhetorikkursen werden Teilnehmer auf folgende wissenschaftliche Erkenntnisse hingewiesen:
Der Mensch behält u.a. von dem

was er hört 20 %

und was er selber weitergibt 90 %.

Mundart lebt vom Hören, Reden und Weitergeben. Für den Erhalt unserer Sprache ist es notwendig, dass die Menschen auch bairisch reden. Dazu muss man sie animieren. Das kann über Vorbilder und Medien, z.B. Filme, Hörfunk, geschehen. Und wenn etwas weitergegeben werden soll, dann spielen Hörfunk und Fernsehen eine bedeutende Rolle.

Wenn wir etwas für den Erhalt und die Förderung der Sprache tun wollen, dann müssen wir sie hören, selbst sprechen und sie weitergeben, dann bleibt am meisten – nämlich 90 % - hängen.

Seien wir genügend selbstbewußt frei nach dem Motto „Wir können alles – sowohl Bairisch als auch Schriftdeutsch.“

Von der Politik, der Verwaltung und den Medien fordern wir eine tatkräftige Unterstützung zum Erhalt unserer Mundart. Dazu gehören an erster Stelle die umgehende Ratifizierung der UNESCO.-.Konvention zum Schutz des immateriellen Kulturerbes und deren Umsetzung sowie eine tatkräftige Unterstützung in den entsprechenden Gremien wie z.B. dem Rundfunkrat. Nichtssagende Stellungnahmen und Lippenbekenntnisse helfen uns nicht weiter. Wir messen unsere Vertreter in der Politik und den öffentlichen Gremien an ihren Taten und nicht an ihren den Worten.

Florian Seestaller