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Sauhandlerin in Traunstein

Hat wohl zur damaligen Zeit, so um an ersten Weltkriag, im Cheamgau, ja im ganzen Oberland koan Bauern gebn, der sie net kennt hat, die Sauhandlerin mit ihrem zwoaspannigen Gäuwagerl und der Sausteign drauf. Sie war aus Traunstoa und allgemein hat ma sie de Spiegelsbergerin gnennt, dass sie a an Vornam hat und Anna hoaßt, ham vui net gwißt.

Die Spiegelsbergerin mit Ehemann (Foto Stadtarchiv Traunstein)Aber wia gsagt, bekannt war sie und sogar im Nieder-boarischen bis abi nach Passau hat ihra Erscheinung auf de Viehmarkt zum gwohnten Buidl ghört. – Und Sie war a Erscheinung. A Weiberts in Mannsbildertracht, groß und kernig, schwaar aber net fett. Frauen mit Hosen, Leibe und Joppen, fast unvorstellbar - fast, damals vor hundert Jahr.

D’Haar auffegsteckt, an broatkrampigen Mannerhuat aufn Kopf und allwei, wia a Markenzeichen, de Zigarr, a Virgina oder de lang Holz-knechtpfeif im Mäu.

Ja und des Mäu, ihra Mundwerk, war ihr Kapital, a Stimm ohne weibliche Obertöne, grad ausser, rass und scharf wia a Rasiermesser, a Handelsbegabung als Naturtalent, ehrlich und reell. A Art hats ghabt, humorvoll, grad ausser, tratzad, gfotzert und glegn, aber a so, dass ma net bös war, a wenns wieder a mal mit da Broathack austeilt und allwei des letzte Wort ghabt hat. Mit alle Leut war sie per Du, obs eahna passt hat oder net.

So hats amal bei na Zwangsversteigerung vor alle Leut an höheren Justizbeamten mit „Du“ ogredt und der hat des Pech ghabt, dass er sie, d’Sau-handlerin, net kennt hat. Anstatt, dass er des

„Du“ jetzt überhört hätt, wird er bös, draht auf wia a so a Sparefankerl und verbittet sich des „Du“ auf das Heftigste. Da is er aber bei der Spiegelsbergerin grad an de Richtige kemma. Sie hat d‘Virgina ausn Mäu to und mit sonoren Baßtönen aufdraht: „Ja Mandei halt staad, ja was bildst da denn du eigentlich ei. Ja moanst du, du Bleistiftspitzer du windiger, du waarst gar mehra wia unser Herrgott zu dem ma ja a Du sagn? Aber wart, da hast no

weit hi“. Dabei hat sie sich in voller Lebensgröße aufbaut, d’Arm a d’Seit’n gspreitzt dass dem guatn Mo ganz angst und bang worn is.

Ja, de Spiegelsbergerin in voller Lebensgröße hat scho was hergmacht und a Irxenschmalz hats ghabt und durch de hats ihra gwiß net leichte War wia d’ Stallhasn umanader ghebt.

Amal hats bei an Bauern in der Näh von Obing an schwaren Saubärn kaft. Der Bauer hat sich mitn Knecht plagt, dass’n vom Stall außerbringan. Da Saubär wollt net und hat si gspreizt. So vui de zwoa a zogn und gschobn haben, es is nix weiter ganga. A zeitlang schaut sie dera Gschicht scho zua, doch dann is ihra zvui worn. Sie schiabt an Knecht und an Bauern auf d’Seit, packt den Bärn alloa, tragtn zum Wagn und mit oan Ruck lupfts’n a d’Sausteign aufi. Da sans dagstandn de zwoa Manner und habn net gwußt was sagn solln. Sie zündt sich d’Virgina o und sagt:„Machts no s’Mäu wieder zua ihr Laddirln. Gell da schauts, wie ma s’Vieh verladt. Da ghört a Umgang her und a Schmalz, ihr Schnapper“.

So war sie, allwei an guaten Spruch. Nur oamal, da hats a ihra d’Stimm verschlagn, wenigstens für a paar Momente.

In Waging wars, aufn Herbstviehmarkt kurz nachn ersten Weltkrieg. Wia allwei, war ihra Stand am besten bsuacht und a riesige Mengschentraubn is vor der Spiegelsbergerin ihrana Sausteignbühne gwen. Sie ziagt net nur an ihrana Virgina sondern a alle Register von ihram handlerischen „Verstehst mi“. Grad hebts a Facke in d’Höh und schreit: „Bauern gehts her, schauts eich mei War o, aber net nur schaun, sonder a kaufa, Leut kaufa müaßts, i ghör zu euch und euer Geld zu mir“.

De Spiegelsbergerin funktioniert auf des Beste und sie is a so in ihrem Verkaufsvortrag vertieft, dass sie gar net gspannt, dass a besserer älterer Herr mit Begleitung auf ihran Stand zua geht dem d’Leut respektvoll Platz machan. Wia de zwoa ganz vorn san verzählt sie grad von ihrana War: „Allererste Reputationen und beste Qualität vom Rüaßl bis zum Schwanzl, und dabei halberts gschenkt. A schöners Facke wie bei mir sehgst nur wennst dahoam an Spiagl schaust. Leit i sags Euch, schönere Facken hat net a mal da Kaiser von China“. Und weil ihr da Raach von der Virgina im Mundwinkel allwei mehra in d’Nasn und in d’Augn ganga ist, hats scho allwei a so gscheankt. Des kitzeln in der Nasen wird allwei größer, steigert si und so vui s’a schnufet und ziagt, es hilft nix. Plötzlich entladt sich ihra Nasen wia a Schuss von an Prangerstutzen. Reissn tuats es, dass ses fast von d’ Sausteign haut. Dabei fliagt ihr in hohem Bogen de Zigarrn ausn Mäu und d’Rotz-glocken hängt ihra aus der Nasn. Jetzt is natürlich bei der Sauhandlerin gnädig worn. „Geh, sei so guat“ sagts zu dem ganz vorn stehadn bessern ältern Herrn „heb ma mei Facke, dass i mi schneuzen ko“ und langt eahm von der Bühne des Suggal in d’Händ. Ohne Kommentar hat der Herr zuaglangt und d’Sauhandlerin sich umständlich gschneuzt.

Dann steigts von der Sausteign und suacht unter de Leut ihra Virgina. Dabei gspannts, dass allsam a weng sparsam schaun. Sie nimmt dem vornehmen Herrn ’s Fackei wieder ab und fragt den Bauern neba ihra was eigentlich los is. Und wie der ihra nachand verzählt, dass des der Kronprinz Ruprecht is der ’s Facke ghaltn hat, is ausnamsweis a de Spiegelsbergerin verlegn worn. „Ja sappradi“, hats sagt „des han i jetzt gar net gspannt dass des der heilig, wollt sagn der Kronprinz Ruprecht is, hab ma blos denkt, der neugierige Gloiffe konn ma mei Fackei scho a weng hebn“. Dann hats ihra freundlichsts Sonntagsgsicht aufgsetzt „Nix für Ungut Herr Hoheit, recht Vergelts Gott.“  „Nichts zu danken schöne Frau“, hat der Kronprinz gsagt, wia er sich mit sein Schneiztüache abputzt, hat sich amüsiert an Hut tippt und is ganga.

Von wem konn ma scho solchane Gschichten verzähln. Oder de, wia d’Spiegelsbergerin a mal z’Berchtesgadn bei na Handelsschaft war. In der Wirtschaft wos auf d’Nacht logiert, hat a Handwerksbursch des dicke Geldbündl in ihra Brieftaschen gsehng. Des Geld hat eahm koa Ruah mehr lassen und so hat er ihra Zimmer ausgspecht und sich unter ihrem Bett versteckt. Er hätt gern gwart bis de geldig Gsellin schlaft und wollts a weng erleichtern. Aber de Rechnung hat er ohne de Spiegelsbergerin gmacht. Wias as Zimmer auffe is, hat sie se zerst a mal wia allwei, a wengerl umgschaut. Nachand is no a mal abi zu ihram Gaiwagerl, hat an Ochsenfiesl gholt und nachand hatsn außerzogn, den selln Bazi und hat eahm an Landler aufgspuit, wobei da Ochsnfiesl an Takt gebn hat. Weil de Musi so laut war, is glei des halbate Wirtshaus zsammglaffa. Da Wirt hat des Bürscherl ghebt bisn d’Gendarm abgholt ham. Wochenlang hat er no a blaugrünes Andenken ghabt von der Spiegelsbergerin und ihrem Ochsenfiesl. Etla Wocha spater war in Traunstoa de Gerichtsverhandlung. Der Saal vom Amtsgericht war voll bis aufn letzten Platz besetzt. D’Leut kennan da Sauhandlerin ihra Sprachtalent und freun sich auf ihra Aussag. Theaterreif solls gwen sei, wia sie den Tathergang geschildert hat, d’Leut san ausn Lacha nimmer draus kemma. Da Grichtsdeana hat a paar mal eischreiten müaßen, als sich der Herr Amtsrichter gar nimmer zhelfa gwußt hat, um a bisserl a Ruah eine zum bringa. Des schlimmer war, weil er sich ja selber so oft ’s Lacha verbeissen hat müaßn. Aber des waar wieder a eigene Gschicht

Übrigens, die Spiegelsbergerin war guat verheirat und hat mehrere Kinder und Enkel ghabt.

Obwohl sie wia ’s blüahade Leben ausgschaut und a Figur wia de Bavaria ghabt hat, is sie nur 63 Jahr alt worn. Am 20 Juni 1939 is sie gstorbn.

Sie war a Original und Originale leben in ihre Gschichten weiter und dass sie net vergessen wern, ghörn de Gschichten allwei wieder a mal verzählt.

Gustl Lex